Zurück von der Mobile Research Conference 2010
Die letzten beiden Tage habe ich auf der Mobile Research Conference in London verbracht, um herauszufinden, ob wir das Thema mobile Umfragen auch angehen sollten oder ob wir es sogar müssen.
Der Veranstalter der Konferenz ist unsere Lieblings-Umfragesoftware-Schmiede, Globalpark, die diese Veranstaltung nicht ganz ohne Hintergedanken organisieren, da sie in Ihrem Produktportfolio doch seit letztem Jahr auch eine “Mobile Extension” haben, mit der man eben genau solche Umfragen für mobile Endgeräte gut darstellbar macht, und Einladungen per SMS verschicken kann.
Ich habe also auch ein bisschen eine Verkaufveranstaltung erwartet, wurde aber positiv überascht, denn es waren wirklich interessante Vorträge dabei, die mir einen guten Überblick gegeben haben, was zur Zeit geht und was noch nicht geht. Ich werde jetzt nicht den Inhalt aller Vorträge zusammenfassen müssen, denn bei Interesse kann man sich die meisten Präsentationen schon jetzt (einen Tag nach der Konferenz) hier herunterladen.
Auch Zusammenfassungen über die Konferenz wurden fast in Echtzeit veröffentlicht, so dass ich mir dank dieser Bloggerkollegen schon Inspirationen holen konnte.
Einmal als Kurzfassung oder auch mit insgesamt sieben längeren Berichten von surveygeek, der seinem Namen alle Ehre macht. Sogar Audio Mittschnitte und Interviews gibt es.
Ebenfalls in Echtzeit wurde mächtig getwittert. Eine Interaktion des Publikums, an der ich mich das erste mal aktiv beteiligt habe, und ich muss sagen, es hat unheimlich Spass gemacht!
Während der Referent vorne stand, waren viele Zuhörer damit beschäftigt, mit ihrem Mobiltelefon oder Laptop Echtzeit-Feedback über Twitter zu geben, das der Referent sogar vorne an einer Twitterwall sehen konnte. Nachdem dann während eines Vortrages ungefähr 20 Kommentare – sowohl wohlwollende, wie auch kritische – getwittert wurden, meldete sich am Ende kaum einer, wenn es darum ging, eine Frage vor dem Publikum zu stellen. Irgendwie kindisch, aber es ist eben viel einfacher direkt eine Kritik in maximal 140 Zeichen zu twittern, als das am Ende des Vortrages zu formulieren.
Und genau diese Geschwindigkeit, diese ad-hoc Reaktion, ist auch eine Stärke von mobilen Befragungen. Man kann die Befragung am Ort des Erlebens durchführen, direkt im Augenblick einer Emotion. Eine Hürde hierbei ist die Bedienung der kleinen Telefone. Besser als eine offene Frage zu stellen, wo ein Proband eine Antwort auf einem kleinen Bildschirm schreiben muss, oder scrollen muss, um die Antwortmöglichkeiten zu sehen, ist es, direkte Eingabemöglichkeiten bereit zu stellen. Voicerecorder und Fotos sind schöne Beispiele, wie man den Probanden diese Hürde nehmen kann. Allerdings landet die Arbeit dann beim Umfrageinstitut, das die 30.000 Fotos (wie in einer Studie von Mindset Business Planning) oder Tonaufnahmen auswerten muss. Das hört sich irgendwie nach der Auswertungsarbeit qualitativer Forschung mit den Mengen quantitativer Methoden an.
Wenn man sich das sparen will, und den Teilnehmer dazu bringen will, von alleine eine SMS mit einer Gefühlsmitteilung (und das auch noch in codierter Form) zu schreiben, muss man schon 5 Pfund Belohnung zahlen, wie in der Studie von Mesh über Schweppes. Coca-Cola (die Schweppes vetreiben) kann sich’s anscheinend leisten. Die waren auch ganz begeistert von der Studie, bei der die Teilnehmer seitenlange Papierinstruktionen bekamen, um dann spontan im Supermarkt beim Kauf von Schweppes oder beim Fernsehen eine SMS über Ihre Gefühle zu Schweppes zu schreiben. Ahhhh ja, Ähem, das scheint dann wohl doch eher eine Marketing Kampagne unter dem Deckmantel einer Umfrage gewesen zu sein. Wenn man nicht die Kosten einer Marketing-Kampagne von Coca-Cola tragen will, muss man wohl vorerst noch mit ernüchternden Ergebnissen rechnen, wie die durchschnittliche 1%ige Completion Rate bei einer SMS/WAP Befragung der Raiffeisen Bank in Österreich.
Apropos Marketing: Die Präsentation der Mobile Extension von EFS ging irgendwie gründlich in die Hose! Zuerst gab es 5 Minuten lang Probleme ein Macbook an den Beamer anzuschliessen und als es dann zur Live Vorführung auf einem iPhone Simulator kommen sollte, haperte es an der Internetverbindung. Das war allen GP-Mitarbeitern natürlich ziemlich peinlich. Schade eigentlich, denn das Tool funktioniert einwandfrei, wenn man eine Internetverbindung hat. Einzig die Ausrichtung auf das iPhone sollte man sich überlegen, weil der Marktanteil von Nokia und Blackberry viel grösser und wichtiger ist als die 1-3% vom iPhone.
Der Reinfall von der EFS Live Demo kam dem professionellen Vetriebler von datomo gerade recht, der eine astreine und wirklich beeindruckend schnelle und überzeugende Lösung von Umfragen auf einem Blackberry demonstrierte.
Ein Höhepunkt bei den Twitterern war die Präsentation von Tom De Ruyck von InSites Consulting in Belgien. Gezeigt wurde die Konzeption, Durchführung und Ergebnisse der “Ultimate Twitter Study”. Bunt, laut, lustig, auf den Punkt gebracht und gut vorgetragen, Chapeau! Um das Publikum der reaktionssschnellen Twitterer zum Retweeten zu bringen, muss man allerdings nicht so jung und twitterbegeistert sein wie Tom. Auch Liz Nelson, Mitbegründerin von TNS (die 1946 gegründet wurden), hat es auf den Punkt gebracht und wurde vielfach über Twitter zitiert, als es um die Vergleichbarkeit von Ergebnissen mobiler Befragungen und Online Ergebnissen ging: “You can’t guarantee comparability even within a survey. For God’s sake let’s be realistic about it.” Das kann man so stehen lassen.

















